Regelungen der vertragsärztlichen Versorgung, die die Vereinbarkeit von Familie und ambulanter Tätigkeit erleichtern

Residenzpflicht

Die Residenzpflicht für Niedergelassene wurde aufgehoben. Somit können Wohnort und Praxisort weiter voneinander entfernt liegen. Sie können also eine Praxis auf dem Land betreiben und in der Stadt wohnen oder umgekehrt.


Vertretung

Grundsätzlich können sich Vertragsärzte bis zu 3 Monate im Jahr genehmigungsfrei vertreten lassen, z. B. wegen Urlaub, Krankheit oder Teilnahme an ärztlichen Fortbildungen.  Nach der Geburt eines Kindes können sich niedergelassene Ärztinnen in der eigenen Praxis bis zu 12 Monaten vertreten lassen. Vertretungen von mehr als 3 Monaten müssen im Vorfeld von der KV genehmigt werden.


Entlastungsassistenten

Ein Entlastungsassistent übernimmt zeitliche befristet einen Teil der Aufgaben einer Vertragsärztin/eines Vertragsarztes und unterstützt sie bei der Versorgung ihrer Patienten.

Ärztinnen und Ärzte können nach der Geburt eines Kindes - bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres - für einen Zeitraum von 3 Jahren einen Entlastungsassistenten in der Praxis beschäftigen.

Im Fall der Pflege eines Angehörigen ist die Beschäftigung eines Entlastungsassistenten bis zu 6 Monate möglich.

Die Beschäftigung eines Entlastungsassistenten bedarf der Genehmigung durch die Kassenärztliche Vereinigung.


Anstellung eines Arztes

Wer die Arbeit in der Praxis auf mehrere Schultern verteilen möchte, kann einen Arzt anstellen. Hierfür muss ein freier Arztsitz vorhanden sein. Die Anstellung ist genehmigungspflichtig. Es können fachgleiche und fachfremde Ärzte angestellt werden.

In gesperrten Planungsbereichen ist eine Anstellung grundsätzlich nur in Form eines Jobsharings möglich. Hierbei wird der eigenen Kassenarztsitz mit zwei oder mehreren fachgleichen, angestellten Ärzten geteilt. Ein freier Sitz ist nicht notwendig, allerdings wird der Praxis für die Dauer des Jobsharings eine Leistungsbeschränkung in Höhe des bisherigen Praxisumfangs auferlegt. Jobsharing muss vom Zulassungsausschuss genehmigt werden.


Befreiung vom Bereitschaftsdienst

Max. 4 Dienste pro Quartal sind von Ärzten in Niedersachsen zu absolvieren.

Eine Befreiung vom Bereitschaftsdienst ist befristet möglich für…

…Ärztinnen ab dem Zeitpunkt der Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft und bis zu 12 Monate nach der Entbindung sowie für weitere 24 Monate, soweit nicht der andere Elternteil die Versorgung des Kindes gewährleistet,

…Ärzte ab dem Tag der Geburt des Kindes für einen Zeitraum von 36 Monaten, soweit nicht der andere Elternteil die Versorgung des Kindes gewährleistet.


Nachbesetzungsverfahren

In gesperrten Planungsbereichen werden Erziehungs- und Betreuungszeit bei dem Auswahlkriterium „Dauer der ärztlichen Tätigkeit“ angerechnet.


Teilzulassung

Seit einigen Jahren ist auch eine Teilzulassung möglich. Dabei halbiert sich der Versorgungsauftrag von einer vollzeitigen Tätigkeit auf eine hälftige Tätigkeit. Ärzte bzw. Psychotherapeuten, die sich für diesen Weg entscheiden, brauchen nur die Hälfte der Sprechstunden anzubieten wie Kollegen mit einer vollen Zulassung – also mindestens 10 statt 20 Stunden die Woche. Eine Teilzulassung kann u. U. nicht mehr in eine volle Zulassung umgewandelt werden, sollte der Planungsbereich zwischenzeitlich gesperrt werden.


Ruhen der Zulassung

Vertragsärzte können einen Antrag auf Ruhen ihrer Zulassung stellen. Ein befristetes Ruhen der Zulassung, auch beschränkt auf die Hälfte des Versorgungsauftrags ist grundsätzlich möglich. Während dieser Zeit können allerdings keine beziehungsweise nur „in einem hälftigen Umfang“ vertragsärztliche Leistungen erbracht und abgerechnet werden.