Die Niederlassung - ein Prinzip mit vielen Facetten

Niederlassung

Selbst + bestimmt

 

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, vertragsärztlich tätig zu sein. Gemeinsam finden wir heraus, welche davon die beste für Sie ist. Die KVN berät Sie gern, damit Sie das optimale Niederlassungskonzept für sich finden. Und das Beste daran: Sie sind nicht für immer auf eine Tätigkeitsform festgelegt. Denn Ihre persönliche Situation kann sich ändern - und damit auch die Art Ihrer beruflichen Tätigkeit. Sie denken an einen sanften Einstieg über eine Teilzeitbeschäftigung? Um später aufzustocken auf eine ganze Stelle? Und wollen sich schließlich mit Ihren gesammelten Erfahrungen in eigener Praxis niederzulassen? - Alles ist möglich.

Einzelpraxis

Einzelpraxis

 

Praxis nach Maß: Nach wie vor ist die Einzelpraxis bei Ärztinnen und Ärzten sehr beliebt. Und das aus gutem Grund, schließlich haben Sie es hier vollständig selbst in der Hand, wie Sie Ihren Arbeitsalltag gestalten. Sowohl in medizinischer Sicht als auch im Bereich der Praxisorganisation können Sie Ihre Vorstellungen verwirklichen. Sie möchten Sprechstunden zum Beispiel erst ab 9 Uhr anbieten, um morgens Zeit für die Kinder oder eine ausgiebige Joggingrunde zu haben? Ihren Sommerurlaub nehmen Sie am liebsten nicht im Juli, sondern im September? Als Ärztin oder Arzt in einer Einzelpraxis ist das kein Problem, denn Sie entscheiden allein - Absprachen sind nur im Bereich notwendiger Urlaubsvertretungen notwendig.

Die Freiheit, ein Einzelunternehmer zu sein, geht natürlich auch mit gewissen Verpflichtungen einher, denn Sie müssen die Finanzierung Ihrer Praxis allein sicherstellen. Dazu zählen etwa die Kosten für Räume, medizinische Geräte oder Angestellte.

Aber auch als Einzelpraxis können Sie in Kooperation mit anderen Ärzten tätig sein, zum Beispiel als Teil einer Praxisgemeinschaft oder eines Praxisnetzes.

 

Merkmale:

  • hohe wirtschaftliche Eigenständigkeit
  • organisatorische Eigenständigkeit: Sprechzeiten, Urlaub etc. legt der Arzt selbst fest.
  • der Praxisinhaber trägt die Kosten für Räume, Personal, Geräte etc. allein.
Praxisgemeinschaft

Praxisgemeinschaft

 

Sie arbeiten lieber im Team? Bei einer Praxisgemeinschaft ist das das Prinzip. Dabei schließen sich zwei oder mehrere Vertragsärzte gleicher oder verschiedener Fachgebiete zusammen, um Räume, Geräte und Personal gemeinsam zu nutzen.

Das hat Vorteile - Sie können den fachlichen Austausch mit Kollegen pflegen, bei benachbarten Tätigkeitsfeldern Fallbesprechungen abhalten und sich in manchen Fragen gegenseitig unterstützen.

Trotzdem bleiben Sie unabhängig: Sie führen jeweils eine eigene Patientenkartei und behandeln ihren eigenen Patientenstamm. Auch die Abrechnung erfolgt separat.

Die Kooperation mit Kollegen bringt Ihnen vor allem Kostenvorteile. Sie können medizinische Geräte gemeinsam nutzen und so besser auslasten. Und das Team der Fachangestellten ist für alle beteiligten Ärztinnen und Ärzte zuständig - das spart Personalkosten.

 

Merkmale:

  • getrennte Abrechnung
  • getrennter Patientenstamm
  • gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten, Personal, Geräten etc.
Praxisnetz

Praxisnetze

 

Sie möchten Ihre eigene Praxis, aber dennoch die Zusammenarbeit mit Kollegen? Immer mehr Praxen schließen sich zu Ärztenetzen zusammen, um in manchen Punkten zusammenzuarbeiten.

Als Praxisinhaber bleiben Sie dabei unabhängig und selbständig. Aber Sie stimmen Ihre Behandlungskonzepte mit Ihren Netzkolleginnen und -kollegen ab oder nutzen eine gemeinschaftliche Praxis-EDV. Ist eine Weiterbehandlung Ihrer Patienten bei Fachkollegen erforderlich, legen Sie die Behandlungsschritte gemeinsam fest.

 

Merkmale:

  • Eigenständigkeit der Praxis
  • enge Kooperation
Gemeinschaftspraxis

Gemeinschaftspraxis

 

Sind Sie ein ausgeprägter Teamplayer? Dann ist vielleicht die Gemeinschaftspraxis das Richtige für Sie. Dabei schließen Sie sich mit anderen ärztlichen oder psychotherapeutischen Kolleginnen und Kollegen zusammen, um gemeinsam Patienten zu behandeln. Die 20.000 Gemeinschaftspraxen in Deutschland sind die häufigste Form der sogenannten "Berufsausübungsgemeinschaften" (BAG).

Eine BAG ist das Gegenstück zur Praxisgemeinschaft. Hier bilden Sie wirtschaftlich wie organisatorisch mit Ihren Partnern eine Einheit: Sie führen eine gemeinsame Patientenkartei, rechnen über eine gemeinsame Abrechnungsnummer ab, haften gemeinsam und treten nach außen als eine Praxis auf. Sie arbeiten aber weiterhin eigenverantwortlich und medizinisch unabhängig.

Sie können sich mit fachgleichen Ärzten als auch mit Kolleginnen und Kollegen anderer Fachrichtungen zusammenschließen, wenn sich die Fachgebiete in sinnvoller Weise für die gemeinsame Ausübung der vertragsärztlichen Tätigkeit eignen. Sind Sie z. B. Hausarzt, wäre es sinnvoll, sich mit einem Dermatologen zusammenzutun. Für einen Orthopäden bietet sich eine Zusammenarbeit mit einem Chirurgen an.  

 

Merkmale:

  • Zusammenschluss von Ärzten derselben oder unterschiedlicher Fachrichtungen
  • gemeinsame Abrechnung
  • gemeinsamer Patientenstamm
  • gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten, Personal, Geräte etc.
  • Eine Genehmigung der Gemeinschaftspraxis durch den Zulassungsausschuss ist erforderlich.
Medizinisches Versorgungszentrum

Medizinisches

Versorgungszentrum

 

Sie wollen ärztlich tätig sein, aber ohne unternehmerisches Risiko? Das geht am besten über eine Anstellung in einem Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). MVZ sind fachübergreifende, ärztlich geleitete Einrichtungen, in denen Sie als freiberuflicher Vertragsarzt oder als angestellter Arzt eine Tätigkeit aufnehmen können.

Sie haben mehrere Möglichkeiten:

  • Freiberufler-Variante: Hier arbeiten Sie selbständig mit anderen selbständig tätigen Ärzten und Psychotherapeuten zusammen. Ihre persönliche Zulassung ruht und wird von der Zulassung des MVZ überlagert. Wollen Sie dann doch eine Einzelpraxis übernehmen, können Sie Ihre Zulassung wieder "aktivieren". Übrigens: Als selbständig tätiger Arzt können Sie auch in "Teilzeit" arbeiten - mit einer Teilzulassung. Dann reduziert sich Ihre vorgeschriebene Präsenzzeit in der Praxis auf zehn Stunden in der Woche. Und mit einer Teilzulassen haben Sie auch die Möglichkeit, gleichzeit als Vertragsarzt und als angestellter Arzt im Krankenhaus tätig zu sein.
  • Angestellten-Variante: Rund zwei Drittel der derzeit 1.500 MVZ in Deutschland sind reine Angestellten-MVZ. Das MVZ ist hier als juristische Person (i. d. R. eine GmbH) Inhaber der Zulassung. Hier können Sie als Arzt in einem Angestelltenverhältnis arbeiten. Wenn Sie dabei mindestens eine halbe Stelle ausfüllen, werden Sie Mitglieder der KVN. mindestens eine halbe Stelle ausfüllen - Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigungen.
  • Misch-Variante: Hier haben Sie die Wahl: Ein solches MVZ arbeitet sowohl mit Vertragsärzten als auch mit Angestellten. Oft kommt es vor, dass ein Arzt, der kurz vor dem Ruhestand steht, seine Zulassung an das MVZ überträgt und dort noch einige Zeit als Angestellter tätig ist. Wenn Sie sich die Option einer späteren Niederlassung erhalten möchten, können Sie daneben als Selbständiger im MVZ arbeiten.

 

Merkmale: 

  • fachübergreifend tätig
  • ärztlich geleitet
  • gemeinsame Abrechnung
  • gemeinsamer Patientenstamm
  • gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten, Geräten, Personal etc.
  • Genehmigung durch den Zulassungsausschuss erforderlich
  • Teilzulassung
Job-Sharing

Job-Sharing

 

Sie suchen einen langsamen Einstieg in die vertragsärztliche Tätigkeit? Etwa, weil momentan die Familie für Sie im Vordergrund steht? Dann kommt das Job-Sharing für Sie in Frage. Eine Job-Sharing-Praxis ist eine besondere Form der Gemeinschaftspraxis. Sie können in einem eigentlich für Neuzulassungen gesperrten Planungsbereich eine beschränkte Zulassung erhalten, wenn Sie als Job-Sharing-Partner eine Kooperation mit einem bereits zugelassenen Kollegen derselben Fachrichtung eingehen.

Hier können Sie Ihren Arbeitseinsatz zeitlich flexibel gestalten. Und Sie haben die Möglichkeit, sich an dem Ort Ihrer Wahl niederzulassen, auch wenn Sie dort wegen Sperrung keine eigene Praxis eröffnen könnten. Denn spätestens nach zehn Jahren als "Job-Sharer" erhalten Sie eine Vollzulassung. Dann können Sie trotz Zulassungsbeschränkung ihre eigene Praxis gründen. Und wenn Sie die Praxis Ihres Partners übernehmen und weiterführen möchten - kein Problem. Denn bei der Praxisnachfolge berücksichtigt der Zulassungsausschuss vorrangig Sie als schon dort arbeitenden Partner. Wie wäre es, wenn Sie sich mit einer älteren Kollegin oder einem älteren Kollegen kurz vor dem Ruhestand zusammenschließen? Sie können so den Patientenstamm kennenlernen und sich allmählich auf die Praxisübernahme vorbereiten.

 

Merkmale:

  • Zusammenschluss von Ärzten derselben Fachrichtung
  • gemeinsame Abrechnung
  • gemeinsame Behandlung von Patienten
  • gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten, Geräten, Personal etc.
  • beschränkte Zulassung, Leistungsausweitung ist begrenzt
  • Der Zulassungsausschuss muss eine beschränkte Zulassung erteilen.

Drum prüfe, wer sich bindet ...

Sich niederzulassen ist heute keine selbstverständliche Option mehr. Denn viele Vorurteile und Bedenken haben in den letzten Jahren das Bild von Niederlassung in eigener Praxis verzerrt. Was ist dran an all den Nachteilen, die angeblich mit der Niederlassung verbunden sind? Machen Sie den Faktencheck.